Ihr werdet Deutschland nicht wiedererkennen

13.01.2016 21:50

Gesehen am 10.01.2016 von Tanja Wahle im Kellertheater Hamburg

KellertheaterSonntagabend im Kellertheater. Eine Inszenierung von Günther Schäfer; eine literarische Kabarettrevue der Nachkriegszeit mit dem Titel "Ihr werdet Deutschland nicht wiedererkennen", nach einem Zitat von Hitler. Alleine das waren schon Kriterien, die mir klar machten, das wird kein ausschließlich fröhlicher Abend.

Der in das Stück am Anfang sorgfältig eingebaute Fliegeralarm, der einem zwar einerseits das Blut in den Adern gefrieren ließ, war andererseits irgendwie auch das Startsignal in die Zeit des Stückes einzutauchen. Und so lebte man mit den Protagonisten des Stückes; lachte und weinte mit ihnen. Einige ältere Menschen im Publikum hatten an manchen Stellen schwer zu kämpfen mit den Erinnerungen die sie einholten. Die guten wie auch die schlechten.

Man konnte sich auch gar nicht dagegen wehren, dass man anfing Parallelen zu ziehen zwischen "gestern und heute": Der Dialog zwischen dem Tod und einem gefallenen Soldaten, der auf die Frage "Warum seid ihr in den Krieg gezogen?" antwortet: "Man sagte uns Deutschland sei überfallen worden." Auch das Zitat "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch." aus Berthold Brechts "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui", alles Worte, die leider auch in das aktuelle Weltgeschehen passen; ich war sehr berührt.

Nicht zuletzt überzeugt das Stück durch eine überdurchschnittliche Ensembleleistung, sowohl schauspielerisch, als auch gesanglich! Trotz des ernsten Themas entlässt einen das Stück nicht nur nachdenklich, denn spätestens mit dem Wirtschaftswunder und dem Lied "Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien", ist man einfach auch gewillt den Aufschwung mitzuleben. Herrliche schwungvolle Szenenwechsel, die oft lustig sind, aber niemals albern oder lächerlich wirken!

Mein Fazit: Wer das Stück noch nicht gesehen hat, sollte das unbedingt nachholen!

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