De Moorhoff

10.10.2010 19:55

Amateurtheater Altona / BGSS, gesehen am 10.10.10 (schönes Datum!) von Daniela Faber

Es geschieht nicht häufig, dss man den Zuschauerraum betritt und schon überwältigt ist, noch bevor das Stück begonnen hat. So passierte es mir an jenem Sonntag. Auf offener Bühne war ein Stall zu sehen, schwarze Kisten, ein Altar und jede Menge Strohballen. Es war kein zusammenhängendes Bild, aber es machte definitiv neugierig. Sehr neugierig. Und vorsichtig. Denn würde die BGSS die hohe Erwartung, die ich nun hatte, auch darstellerisch erfüllen? 

Das Stück beginnt, Einzug der gesammelten Schauspielerschaft gemessenen Schrittes, laut betend. Man nimmt Platz in der Kirche. Und dann tritt ER auf und legt den Ton fest, der das Stück beherrscht. Denn der Clou ist, dass zwar eine Handlung existiert, wenn auch nicht in chronologischer Reihenfolge der Geschehnisse, aber diese wird dem Publikum mehr oder weniger direkt ins Gesicht erzählt, lediglich von kurzen Dialogen unterbrochen. 

Zwei Mädchen lösen sich aus der Gruppe, laut Text acht Jahre alt, und spielen auf platt wie die Großen. Das eine Mädchen ist die Freundin von dem anderen, welches auf dem Moorhoff wohnt. Das erste Mädchen darf weglaufen, das andere hat nicht dieses Glück. Es betritt schließlich auf der Suche nach der Mutter den Stall. Eine bedrohliche Terz vibriert durch den Saal. Ein Messer durchschneidet die atemlose Stille, rot leuchtet es auf hinterm Fenster. In dem Moment lief mir die erste Gänsehaut des Abends über den Arm. Es sollten noch einige folgen. 

Erzählt wird die Geschichte des Romans Tannöd, der eigentlich in Bayern oder Österreich spielt, auf platt aber für Norddeutsche viel näher heranrückt und dadurch mehr berührt. Eine weise Entscheidung der BGSS also, diese Fassung gewählt zu haben. 

Ich möchte eigentlich keine weiteren Darsteller gesondert herausstellen, es war eine äußerst gelungene Ensembleleistung. Die Meinung im Publikum über die gesamte Inszenierung ging zwar durchaus etwas auseinander, weil vor allem ältere Zuschauer teilweise offenbar etwas anderes erwartet hatten. Aber für mich war dies seit langem endlich mal ein Kriminalstück, das diese Bezeichnung auch verdient hat, in einer Inszenierung, die einem die Schuhe auszog. Danke, BGSS. 

Daniela Faber 

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