Mudder Mews

26.02.2012 20:13

VB Jenfeld, gesehen am 26.2.2012 im Jenfeld-Haus von Daniela Faber

Selten wird in unseren Reihen und selbst bei den Profis ein Drama auf plattdeutsch gezeigt. Darum freute ich mich, von der VB Jenfeld endlich mal wieder ein solches geboten zu bekommen. 

Eine mit viel Liebe zum Detail ausgestattete Bühne offenbarte sich, als der Vorhang langsam zurückglitt. Alles war da, was eine Stube am Ende des 19. Jahrhunderts in Finkenwerder brauchte: Tisch, geschwungenes Sofa, Nähmaschine, Küchenzeile mit altem Ofen, Originalkinderwagen mit Korpus aus geflochtener Weide und großen Rädern. Auch die Farben waren gut gewählt, ebenso die Kostüme – hier hatten sich die Regie und die Gewerke hinter der Bühne eindeutig intensiv mit der Materie befast. Das Spiel begann. Willem und Elsbe wohnen mit Sohn, Baby und Willems Bruder zusammen in der Fischerhütte. Eines Tages kündigt sich Besuch an – die Mutter von Willem und Hugo. Und sie will bleiben. Für länger. Und wie das so des öfteren ist bei Schwiegermüttern und Schwiegertöchtern, kommt es auch zwischen Mudder Mews und Elsbe nach kurzer Zeit zu Streitigkeiten – und Willem sitzt zwischen allen Stühlen. Er versteht seine Elsbe, dass die sich von der besserwisserischen alten Frau nicht ständig runtermachen lassen will. Aber er will auch der Mutter nicht zu nahe treten, nach allem, was sie in ihrem Leben durchmachen musste. 

Doch Mudder Mews hört mit ihren Nörgeleien und dem kleinlichen Getue nicht auf, sodass es kommt, wie es kommen muss: Elsbe greift zu dramatischen Mitteln. Und die sind nicht umkehrbar. Vielen im Publikum dürften ähnliche Verwicklungen aus der eigenen Familie bekannt sein, was wahrschein-lich ein Grund mit dafür ist, dass dieses Stück seit Jahrzehnten ein vielgespieltes ist und die Handlung sich so gut für den Zuschauer nachvollziehen lässt. 

In dieser Inszenierung nun gab es zwei kleine Probleme, die es mir nicht immer einfach machten, die ansonsten sehenswerte weil sehr gut gespielte Produktion zu genießen: Langatmigkeit und schwache Lautstärke. In einem Saal, wo die miese Akustik bekannt ist, sollte mehr Wert auf genügend Verständlichkeit der Darsteller gelegt werden, auch in den leisen Szenen, vor allem, wenn vorwiegend älteres Publikum erwartet wird. Und ein Drama ist nur dann dramatisch, wenn es spannend bleibt. Ausgespielte Pausen sind wichtig und richtig und sieht man in der Tat viel zu selten, aber an manchen Stellen wäre hier weniger mehr gewesen. Und für mehr Authentizität hätte ich mir gewünscht, dass am Schluss das Kleid und die Haare von Elsbe nass gewesen wären. Aber das nur am Rande. 

Resümee: Eine schöne Inszenierung, an die ich mich gerne erinnern werde, aber nicht ganz perfekt. Müsste ich sie bewerten auf einer Skala von eins bis zehn, gäbe ich eine acht. 

Daniela Faber, geschrieben am 12.3.12 

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