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Tipps und Tricks - Regie 9

Regiekommunikation im Sinne Stanislawskis

Bei Stanislawski gilt genau wie bei allen anderen: Abstrakte Regieanweisungen wie „Da fehlt Gefühl“ sind unbrauchbar – allerdings aus einem etwas anderen Grund als z. B. bei Meisner.

Stanislawski sagt:  Gefühle sind Resultate psychophysischer Prozesse, die aus:

  • Umständen
  • Zielen
  • Handlungen

hervorgehen.

Man kann sie nicht direkt ansteuern – aber man kann die Bedingungen schaffen, unter denen sie notwendig entstehen. Die präzisere Alternative zu „Da fehlt Gefühl“ lautet im Stanislawski-Sinne:

  • „Was willst du in diesem Moment – und was tust du konkret, um es zu erreichen?“
  • Oder konkretisiert: „Dein Ziel ist, dass er bleibt. Was setzt du dafür ein?“

Hier tritt ein zentraler Begriff ins Spiel: die Aufgabe (russ. zadacha), also das konkrete Ziel der Figur im Moment, verbunden mit einer Handlungslinie. Eine Regieanweisung könnte dann lauten: „Versuch, ihn zu überzeugen, indem du ihm seine Verantwortung vor Augen führst.“

Das ist differenzierter als eine bloße Handlungsaufforderung, weil sie:

  • ein Ziel definiert
  • eine Strategie andeutet
  • in den Kontext der Figur eingebettet ist

Damit gibst du den gegebenen Umständen (given circumstances) ein Gewicht und hilfst mit, dass die Spielenden sich besser auf die Situation im Spiel einstellen können. Wenn eine Szene auf der Bühne nicht klappt, kann das an verschiedenen Ursachen liegen:

  • Die Spieler haben die Situation nicht vollständig erfasst
  • Sie nehmen die Konsequenzen nicht ernst genug
  • Ihre Beziehungen untereinander sind nicht klar definiert

Eine mögliche Regieintervention kann dann sein, die Situation zu benennen, die Konsequenzen aufzuzeigen und die Beziehungen klarzustellen:

  • „Du weißt, dass er geht – und dass du ihn vielleicht nie wiedersiehst. Was bedeutet das konkret für dich?“
  • Oder: „Er ist die letzte Person, die dir helfen kann. Wenn er geht, verlierst du alles.“

So wird das emotionale Potenzial über die Situation aktiviert, nicht über direkten Zugriff. Und so kannst du in der Regie immer wieder das Spiel lenken, ohne etwas zu fordern oder vorzuschreiben. Vertraue darauf, dass die Spielenden ihre Gefühle rauslassen werden, wenn du es ihnen erlaubst.

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