von Webmaster

Tipps und Tricks - Regie 5

Raum für Entwicklung: Das Spiel nicht abbrechen

Ein zentraler Punkt ist der Umgang mit den Angeboten der Spieler:innen im Probenprozess selbst. Gerade wenn eine neue Aufgabe eingeführt wird, besteht die Versuchung, frühzeitig zu korrigieren. Das ist jedoch oft kontraproduktiv.

Nicht sofort unterbrechen.
Warum?

  • Spieler:innen benötigen Zeit, um eine neue Handlungsqualität körperlich und emotional zu integrieren.
  • Die erste Umsetzung ist selten die tragfähigste – oft entstehen interessante Momente erst im zweiten oder dritten Durchgang.
  • Kontinuität ermöglicht unerwartete Entwicklungen, die durch vorschnelles Eingreifen verhindert würden.

Die Regie ist am besten keine “kontrollierende Instanz”, sondern nutzt Beobachtung und setzt einen Rahmen für die Spielenden.

Für die Praxis gilt:

  • Lieber eine klare Aufgabe als mehrere gleichzeitige Korrekturen
  • Feedback konkret und knapp formulieren
  • Wahrnehmungen beschreiben, nicht bewerten
  • Impulse setzen, statt Lösungen vorzuschreiben

Ein hilfreiches Kriterium ist:

Kann der Schauspieler diese Anweisung unmittelbar spielen?
Wenn nicht, ist sie vermutlich noch zu abstrakt.

Gute Regiekommunikation bedeutet also im besten Fall:

  • vom Ergebnis („Gefühl“) zur Handlung zu wechseln
  • mit spielbaren Verben zu arbeiten
  • dem Prozess Zeit und Raum zu geben
  • präzise statt umfangreich zu formulieren

So entsteht ein Probenklima, in dem nicht „richtig gespielt“ wird, sondern lebendiges, zielgerichtetes Handeln möglich wird – und genau daraus erwächst letztlich das, was wir als „Emotion“ wahrnehmen.

Nachrichtenliste